Wir werden im Januar keine live-Aktionen in der Stadt aufführen können. Stattdessen möchten wir das Schaufenster der Raststätte in der Lothringerstraße bespielen.
Wir zeigen Arbeiten von Aachener Künstler*innen, die in der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Ab heute, sobald es dunkel wird, werden wir die Lothringerstraße mit Tanzperformance-Filmen beleben. Bis Mitte Februar können jede Woche von Sonntag bis Mittwoch im Schaufenster beim Vorbeispazieren unsere kurzen Filme erlebt werden.
- Als erstes zeigen wir den Film „Abstand“, der aus den Aktionen im Dezember entstanden ist .
- Die junge Tänzerin und Choreographin Maureen Lomb zeigt den Film ihrer Choreographie „ Was Mehrheiten nicht wissen können „
- Im zweiten Teil unseres Projektes arbeiteten die Künstler*innen mit Jugendlichen (Schüler*innen des Dance-Loft). Grenzen, innere Freiheiten und der kreativen Umgang in der jetztigen Krise sind ihre Themen. Sie haben nicht nur Filme gedreht, die wir in dieser Reihe präsentieren werden, sie erobern und beleben seit Dezember im Rahmen des Erlaubten mit künstlerischen Aktionen die Stadt. Darüber werden wir noch berichten.
Weitere Informatinen zum Projekt: Hier ==>
Ein Projekt des CulturBazar e.V. in Kooperation mit Christoph Giebeler visuelle Kommunikation
Gefördert von: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Region Aachen Zweckverband, Stadt Aachen, Dance Loft und Kulturraum Raststätte
dance/re/public
Im Rahmen unseres Projekts “dance/re/public”, in dem wir den öffentlichen Raum mit Performances beleben, fördern wir auch den Dialog zwischen professionellen Künstler*innen und Jugendlichen. In einem Tanzlabor hat der Choreograph Alekszandr Szivkov mit Fynn Wyatt ein Solo erarbeitet, unter der Projektleitung von Yorgos Theodoridis.
„More Than the Face“
ist die Übersetzung der spanischen Redewendung “más que la cara” (“mehr als das Gesicht” oder “zusätzliches Gesicht”), von der das Wort “Maske” abstammen soll.
Wir Menschen verändern unser Gesicht ständig durch unsere Mimik. Manchmal wünschen wir es uns völlig anders, als es von Natur aus ist oder unserem Charakter entspricht.
In dieser Choreographie wird die Maske zu einem Teil des Körpers , als ob man gleichzeitig zwei Gesichter hätte. Sie wird zu einer eigenständigen Person mit einer anderen Identität und einem anderen Status.
Masken enthüllen und verhüllen gleichzeitig. Sie verbergen Gesichter, verleihen ihnen aber auch eine zusätzliche Bedeutung.
Gefördert von
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Region Aachen Zweckverband
Kulturbetrieb der Stadt Aachen
Vier Tage lang trafen sich Eva Weissenböck, Alessandra Ehrlich und Mats Süthoff, um gemeinsam über den Körper Figuren zu entwickeln, Muster aufzubrechen, Form zu spielen und zu füllen. Inspiriert durch verschiedene Grundlagen, wie zum Beispiel der Arbeit mit der Maske, der gezielten Nutzung des Atems und der Arbeit mit Blickrichtungen und Fokus, suchten sie gemeinsam nach einem „Erlebbar Machen“ der Figuren. Als Ergänzung zu dieser klaren Form ließ Mats Süthoff über assoziative Elemente Figuren kreieren – so trafen in einer Szene „glühende Kohle“ und „schneidende Eisluft“ aufeinander, in einem aussichtslosen Versuch der Annäherung.
Für alle Beteiligten ungewohnt war, dass der Fokus nicht auf der Erarbeitung einer Vorstellung oder eines Theaterstückes lag, sondern die Arbeit selbst, das Experimentieren mit neuen Impulsen im Vordergrund stand. Ohne den Druck, schnelle Ergebnisse liefern zu müssen, hatten die beiden berufserfahrenen Schauspielerinnen Freude daran, eingefahrene Muster zur Entwicklung einer Figur aufzubrechen und sich durch die frischen Methoden des jungen Kollegen inspirieren zu lassen.
„Das hat gut getan, unser Instrument nochmal zu schmieren. Mats ist ein genauer Beobachter.“ Eva Weissenböck
„Schön, mal eine Woche lang nicht alles zerdenken und psychologisieren zu müssen. Mats hat meine Spielfreude wiedergeweckt, die in dieser kulturarmen Zeit etwas schläfrig war.“ Alessandra Ehrlich
„Die offene gemeinsame Suche und Bereitschaft von Eva und Alessandra, sich auf etwas Neues einzulassen, hat mich sehr gefreut.“ Mats Süthoff
Gefördert von
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Region Aachen Zweckverband
Kulturbetrieb der Stadt Aachen
Was ist Nähe, was ist Distanz? Eine Tanzperformance erkundet auf den Aachener Straßen, wie sich der Raum anfühlen und verändern kann.
Ein Bericht von Ralf Schröder
Im Aachener Elisengarten baut sich ein kleiner Junge vor Maureen Lomb und Alekzandr Szivkov auf. Er trägt eine blaue Pudelmütze. Ganz offensichtlich immer stärker an all seinen bisherigen Erfahrungen zweifelnd, aber ohne Furcht, schaut er für eine lange Minute sehr konzentriert der Tanzkünstlerin und dem Tanzkünstler zu. Dann dreht er sich zu seiner Mutter um, die ein paar Meter entfernt steht, und fragt ziemlich überzeugt: „Das sind aber keine echten Leute, oder?“
Auch wenn der Zweifel nicht immer so massiv ausfällt, fragend-aufmerksame Blicke begleiten Lomb und Szivkov auf ihrem gesamten Fußweg, der heute, am Samstag vor Weihnachten, durch die gesamte Innenstadt führt. Das liegt vor allem an der Kostümierung: Komplett schwarz und eng anliegend die Textilien, zu denen auch eine Kapuze zählt. Dazu eine weiße Gesichtsmaske, und: Dünne weiße Holzstäbe, unterschiedlich lang, die mit Klebeband an den Armen und Beinen fixiert sind. Wenn die Tänzer stehen, ragen die Stäbe nach oben über den Kopf hinaus. Dass diese Aufmachung je nach Bewegungsmodus an futuristische Maschinenwesen erinnert, ist kein Zufall.
Das Gefühl für die Dimensionen bewahren
„Inspiriert ist dieses Kostüm von Oscar Schlemmer, der einer der wichtigsten Vertreter des Bauhaus-Stils war“, erklärt Yorgos Theodoridis. „Er hat als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner gearbeitet und immer wieder gefragt, in welcher Beziehung die menschliche Figur zum Raum steht. Das ist auch unser Thema: Einmal angesichts der Corona-Maßnahmen, die Distanz verlangen. Zum anderen angesichts der Digitalisierung, die zunehmend dazu beiträgt, dass wir das Gefühl für den Raum mit seinen drei Dimensionen verlieren. Der Raum ist die Domäne des Tanzes.“
Auslöser für das Projekt, das unter dem Titel dance/re/public eine ganze Serie thematisch unterschiedlicher Stadtspaziergänge umfasst, war die Pandemie-Situation und die Idee von Videokünstler Christoph Giebeler, den öffentlichen Raum kulturell zu erschließen. Theodoridis, in der Aachener Tanzszene seit vielen Jahren eine feste Größe, hat daraufhin die Choreografien entwickelt und setzt sie für den Verein Cultur Bazar e.V. um, dessen Vorsitz er innehat. „Da die Theater geschlossen sind, möchten wir neue Bühnen erschließen. Und zwar solche, die bisher anders wahrgenommen werden: dance/re/public macht den öffentlichen Raum mit Kunst lebendig und überlässt ihn nicht nur einer ökonomischen Zweckstruktur.“ So wollen Theodoridis und seine Künstlerkolleg*innen die Kunst auch zu Menschen bringen, die sonst damit nicht in Berührung kommen. Und speziell zur Weihnachtszeit will man probieren, ob und wie der Gedanke „Kunst statt Konsum“ eine Resonanz finden kann. „Kunst“, fasst Theodoridis zusammen „ist und soll gesellschaftsrelevant sein, also gehört sie auf die Straße.“
Wenn die Fantasie Flügel kriegt
Dort, auf den Straßen, wecken Maureen Lomb und Alekzandr Szivkov durch ihre Tanzfiguren die Fantasie, die nötig ist, um den Raum aus seiner Festlegung auf eine rein mathematisch-abstrakte Existenz zu befreien. Mit den Stäben, ständig in wechselnde Anordnungen gebracht, zaubern sie immer wieder neue Geometrien herbei. Auch Zustände, physikalische wie affektive oder emotionale, werden damit erprobt: Balance, Spannung/Entspannung, Rhythmus, Pulsieren – mal gebrauchen die Tänzer die Stäbe als Taktstock, mal als Korsett, mal als Krücke. Die Stäbe sind bei all dem visuellen Akzente, thematisieren Nähe und Abstand, schränken bisweilen demonstrativ die Motorik und die Bewegungsmöglichkeiten ein.
Aber keineswegs immer. Auf ihrem Weg durch die Straßen wird der Raum von den beiden Künstlern einerseits eingenommen und gefüllt: Hier scheint es eher darum zu gehen, was der Mensch im Vorhandenen sein und machen kann. In anderen Situationen wird der Raum ertastet, erkundet, ausgemessen, womöglich auch vergrößert: Etwa wenn Lomb und Szivkov die Stäbe weit in die Höhe recken oder sie so spreizen, dass man/frau sich an schwingende Flügel erinnert fühlt. In diesen Augenblicken weist die Choreografie besonders eindrücklich über die menschliche Figürlichkeit hinaus – und damit vielleicht auch über das, was hier heute als normal empfinden.
dance/re/public
Performerinnen: Maureen Lomb, Alekszandr Szivkov Choreographie: Yorgos Theodoridis
Kooperationspartner:
Christoph Giebeler Visuelle Kommunikation CulturBazar e.V
Gefördert von
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Region Aachen Zweckverband
Kulturbetrieb der Stadt Aachen
Mobile Performance der doppelten Supermarket Lady: Shoppen und schauen in der Aachener Altstadt.
Ein Bericht von Ralf Schröder
Sie ist eine Ikone der Pop-Kultur und war weltweit in zahlreichen Ausstellungen zu sehen: Die „Supermarket Lady“ des amerikanischen Künstlers Duane Hanson, die seit Jahrzehnten im Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen zuhause ist. In ihrer Heimatstadt kennt fast jeder die Skulptur, und die meisten mögen sie – obwohl die Frau mit dem leeren Blick und dem einschlägigen Outfit demonstrieren soll, wie die moderne Konsumgesellschaft das Individuum zurichtet.
Da bewusstloser Konsum und soziale Distanz durch die Corona-Krise und den Lockdown erneut zu hochaktuellen Themen geworden sind, schickten nun die Macher*innen des Projekts dance/re/public die Supermarket Lady auf einen Spaziergang durch die Aachener Altstadt – allerdings gleich in doppelter Ausführung: Zwillingsschwestern im Partnerlook, mit Kippe im Mundwinkel, Lockenwicklern im Haar und einem Einkaufswagen voll mit? Klopapier! Die Premiere war am dritten Adventssonntag, in den Kostümen steckten Alessandra Ehrlich und Eva Weissenböck.
Ich shoppe, also bin ich
„Mit den Bildern der mobilen Performance wollen wir visuell irritieren“, sagt Initiator Yorgos Theodoridis. „Ich shoppe, also bin ich: Diese Haltung möchten wir zeigen und in Frage stellen. Die Supermarket Lady steht für eine gleichgültige Fokussierung auf das Materielle, auf das Gewohnte. Und dafür, dass wir eine Auseinandersetzung mit den Problemen, die uns überrollen, vermeiden.“
Auslöser für das Projekt dance/re/public, das eine ganze Serie thematisch unterschiedlicher Stadtspaziergänge umfasst, war die Corona-Situation und die Idee von Videokünstler Christoph Giebeler, den öffentlichen Raum kulturell zu erschließen. Theodoridis, in der Aachener Tanzszene seit vielen Jahren eine feste Größe, hat daraufhin die Choreografien entwickelt und setzt sie für den Verein CulturBazar e.V. um, dessen Vorsitz er innehat.
„Da die Theater geschlossen sind, möchten wir neue Bühnen erschließen. Und zwar solche, die bisher anders wahrgenommen werden: dance/re/public macht den öffentlichen Raum mit Kunst lebendig und überlässt ihn nicht nur einer ökonomischen Zweckstruktur.“ So wollen Theodoridis und seine Künstlerkolleg*innen die Kunst auch zu Menschen bringen, die sonst damit nicht in Berührung kommen. Und speziell zur Weihnachtszeit will man probieren, ob und wie der Gedanke „Kunst statt Konsum“ eine Resonanz finden kann. „Kunst“, fasst Theodoridis zusammen „ist und soll gesellschaftsrelevant sein, also gehört sie auf die Straße.“
Unterwegs als Ikone von nebenan
Wenn die doppelte Lady durch Aachen flaniert, merkt man keineswegs, dass es sich hier um ein Heimspiel handelt. Denn bestaunt werden nicht nur zahlreiche Schaufenster mit Sonderangeboten und anderen Attraktionen, sondern auch touristische Ensembles wie Dom, Rathaus oder Elisenbrunnen. Am Puppenbrunnen untersuchen die Ladies kurz, wie die Figuren konstruiert sind. Die Performance verläuft, abgesehen vom urbanen Hintergrundrauschen, stumm. Aber Frau Ehrlich und Frau Weißenböck kommunizieren unaufhörlich: Durch Blicke, Gesten und Mimik, wozu gerne auch das Schwenken der Handtaschen zählt. Deutlich wird: Viel von dem, was sie sehen, finden sie interessant. Aber das Interesse wirkt meist recht flüchtig, der nächste Zug an der Zigarette ist mindestens ebenso wichtig…
Viele der nicht sehr zahlreichen Sonntags-Flaneure waren bei der Premiere erstaunt und dann erfreut, den Damen zu begegnen. Es war zu merken, dass die Lady in Aachen als Ikone von nebenan bekannt ist – immer wieder gab es ein freundliches Hallo und immer wieder wurden die Smartphones für ein Foto gezückt. Nur ein junger Mann, der am Dom hockte und in einem Pappbecher Geldspenden einsammelte, war dem Shopping-Monster anscheinend noch nie begegnet. „Machen Sie Junggesellen-Abschied?“, fragte er. Und schob dann die in diesem Fall beste aller Fragen nach: „Oder was machen Sie?“
dance/re/public
Performerinnen: Alessandra Ehrlich, Eva Weissenböck Regie: Yorgos Theodoridis Kostüme: Steffi Mertens
Kooperationspartner:
Christoph Giebeler Visuelle Kommunikation CulturBazar e.V
Gefördert von
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Region Aachen Zweckverband
Kulturbetrieb der Stadt Aachen